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Beske: Leistungskatalog auf Dauer nicht haltbar

GKV-Leistungen ins Privatfinanzierte verlagern

Auf Einladung des Vorsitzenden der Vertreterversammlung der KV Berlin stellte Professor Dr. Fritz Beske vom Kieler Institut für Gesundheits-System-Forschung bei einer Sonder-Vertreterversammlung Ende Januar seine Sicht der Lage des deutschen Gesundheitswesens dar. Anlass waren die Ängste und die Wut von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angesichts der Pläne der großen Koalition mit befürchteten weiteren Einschränkungen. Beske zeigte sich überzeugt vom Erfolgspotential der Ärzte-Protestaktionen, die jedem Politiker zeigten, dass es so nicht weitergehe.

Er ging in seinem Vortrag sowohl auf die Anzeichen der Verschlechterung im Gesundheitswesen ein (längere Wartezeiten auf Behandlungstermine, Ärztemangel, Pflegekräftemangel) als auch auf Möglichkeiten der künftigen Gestaltung der Gesundheitsversorgung. Dabei bemängelte er, dass die Politik "keine ehrliche Analyse" mache. In der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gäbe es "einen breiten Leistungskatalog mit geringer Zuzahlung". Mit dem medizinischen Fortschritt sei bis zum Jahr 2050 mit einem Beitragssatz von 42 % zu rechnen. In der Privaten Krankenversicherung (PKV) seien ca. 10 % der Bevölkerung versichert. Sie verfüge über einen Kapitalstock von 80 Milliarden Euro Rückstellungen. Die GKV würde 660 Milliarden Euro benötigen, das sei illusionär, das würde Jahrhunderte dauern.

Prof. Beske warnte eindrücklich vor einer Steuerfinanzierung. Andere Länder mit steuerfinanziertem Gesundheitssystem hätten "größte Versorgungsdefizite" und "längste Wartezeiten". Der einzige Weg, um ein Gesundheitswesen finanzieren zu können, sei ein "Mix mit Privatfinanzierung". Man müsse den "Abbau von Leistungen akzeptieren, eine Verlagerung vom Kassenfinanzierten ins Privatfinanzierte".

Bei Leistungsabbau entstand natürlich Unruhe unter den KV-Vertreterinnen und Vertretern. Ein Pulmologe meldete sich zu Wort und meinte, selbstverständlich würde er alle Leistungen in seiner Fachgruppe für erforderlich halten und er gehe davon aus, dass das andere Fachgruppen für sich vermutlich ähnlich sähen.

Das stimmt: Auch aus Sicht der Psychologischen Psychotherapeuten stellt sich natürlich die Frage, welche Leistungen "abgebaut" bzw. ins "Privatfinanzierte" verlagert werden könnten. Selbstverständlich wäre es gerade in Anbetracht deutlich steigender Zahlen im Bereich der psychischen Störungen absurd und contraindiziert, wenn sich nur noch wenige den "Luxus" einer Zusatzversicherung für Psychotherapie leisten könnten oder wollten.

Eva Schweitzer-Köhn
Stellvertretende Bundesvorsitzende des VPP im BDP

15.2.2006