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Welche Relevanz haben neue Versorgungsformen für Psychotherapeuten?

Die Umstrukturierung des Gesundheitswesens mit den neuen Versorgungsformen einerseits und den geplanten Änderungen beim Vertragsarztrecht andererseits hat auch für die Profession der Psychologischen Psychotherapeuten weit reichende Folgen. In diesem Zusammenhang war der Kongress für Gesundheitsnetzwerker vom 9. bis zum 10. März im Virchow Klinikum der Berliner Charité von großem Interesse.

Im Mittelpunkt des Kongresses standen, zwei Jahre nach Einführung des GMG, die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der Projekte zur Integrierten Versorgung und zu den MVZ (Medizinische Versorgungszentren). Ein Kongress von Praktikern für Praktiker; Staatssekretäre des Bundesministeriums für Gesundheit und Vertreter der GKV, KV u.a. waren als Referenten eingeladen (ausführlicher Bericht siehe: "Erste Schritte in Richtung Integrierte Versorgung").

Einige Redner forderten einhellig dazu auf, Abschied zu nehmen von den alten Strukturen und sich zu vernetzen. Die Vorteile und Grundsätze der IV (Integrierten Versorgung) sind wie folgt zu beschreiben:

  • Das Einzelkämpferdasein zu beenden – hin zum engagierten Team.
  • Die Bereitschaft zur multiprofessionellen und sektorenübergreifenden Problemlösung ist hier Voraussetzung.
  • Die interdisziplinäre Zusammenarbeit steht im Mittelpunkt.
  • Fach- und berufsgruppenübergreifendes Denken und Handeln sind gefragt.

Für die Psychotherapeuten sind positive Aspekte bei IV-Projekten hierin zu sehen:

  • Für eine Mitarbeit ist die berufsrechtliche Anerkennung, also Approbation, Voraussetzung.
  • Methodenintegratives Arbeiten hat den gleichen Stellenwert wie die Richtlinientherapien.

Das Ergebnis könne sich sehen lassen: Die IV wäre 10 Prozent kostengünstiger als die Regelversorgung. Es ist hier das Ziel, mit den IV-Konzepten die Über-, Unter- und Fehlversorgung in den Griff zu bekommen.

Die vorgestellten Praxisbeispiele spiegelten leider die Realität wieder, sie stammten alle aus den ärztlichen Berufsfeldern. Immerhin wurden die Psychotherapeuten dazu aufgefordert, hier auch als Akteure einzusteigen und für komplexe Krankheitsbilder IV-Konzepte zu entwickeln, besonders für Depressionen, Alkoholerkrankungen, Schmerzerkrankungen und den Bereich Psychoonkologie.

Die mitreißende Aufbruchstimmung während der beiden Tage hat beflügelt. Alle, die sich davon angesprochen fühlen, seien dazu aufgefordert, sich hier zu engagieren. Sich zu vernetzen könnte auch bedeuten, sich über die Grenzen der Bundesländer hinweg über Konzeptideen und deren Umsetzung auszutauschen.

Christina Maunz
Vorstandsmitglied des VPP-LFV Berlin
Leiterin des AK Freie PsychotherapeutInnen

22.3.2006