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Kommentar zur G-BA-Ablehnung der Gesprächspsychotherapie

Die Gesprächspsychotherapie ist das erste Psychotherapieverfahren, dass nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin gemäß der Verfahrensordnung des G-BA geprüft wurde. Um eventuellen Vorwürfen in dieser Richtung gleich vorzubeugen, erklärt der G-BA in seiner Presseerklärung, dass er auch die bisher zugelassenen Richtlinienverfahren dieser Prüfung unterziehen wolle. Nach Meinung der Bundespsychotherapeutenkammer gehörte „nach diesem Gleichbehandlungsgrundsatz des G-BA (…) allerdings auch eine Generalinventur der ärztlichen Kassenleistungen, die noch längst nicht alle nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin überprüft sind, auf die Tagesordnung.“ (www.bptk.de). Hier sei die Frage erlaubt: Warum soll diese Prüfung erst jetzt erfolgen? Nach einer Dokumentation des Sachverständigenrates (SVR 1999) genügen nur 4% aller ambulant und stationär erbrachten ärztlichen Leistungen dem Anspruch auf belastbare Evidenz und 45% einfachen Evidenzkriterien. Für mehr als die Hälfte aller ärztlichen Leistungen gibt es also bis heute keine wissenschaftliche Evidenz.

In einer Vielzahl von Stellungnahmen von Einzelpersonen, Verbänden, Wissenschaftlern und Landespsychotherapeutenkammern, die auf 265 Seiten im „Supplement zum Bericht zur Nutzenbewertung“ dokumentiert sind, wird der Nutzen der Gesprächspsychotherapie einhellig (mit der einzigen Ausnahme: DGPPN) sowohl aus der ambulanten wie auch aus der stationären Behandlung beschrieben, teils differenziert für bestimmte Störungsbilder, häufig als zusätzliche Möglichkeit für PatientInnen, die mit den bisherigen Richtlinienverfahren nicht erreicht werden (www.g-ba.de). Verschiedene AutorInnen, insbesondere die NGfP, betonen, dass nach dem „Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse“, nach denen der G-BA zu bewerten hat, die Bedeutung der „Passung“ von Therapiemethode, TherapeutIn, Störung und PatientIn für den Therapieerfolg maßgeblich ist. Daher führe die Frage nach dem Nutzen eines einzelnen Verfahrens im Vergleich zu anderen in die Sackgasse.

Nach so einhelliger positiver Stellungnahme stellt sich die Frage: Wie konnte der G-BA zu diesem ablehnenden Urteil kommen? Der G-BA hat die Eignung der eingereichten Studien zur Bewertung eingeschränkt: Bei einigen zweifelte er die Krankheitswertigkeit der behandelten Störung an (z.B. Prüfungsangst), bei anderen, dass es sich um „klassische Gesprächspsychotherapie“ handele. Weiterentwicklungen der GPT seit Rogers, die aber Grundlage für die Bewertung des WBP zur Zulassung der GPT als vertieftes Verfahren in der PT-Ausbildung waren, hat der G-BA nicht zugelassen. Die Bundespsychotherapeutenkammer erklärt in ihrer Stellungnahme, „die Argumentation des Unterausschusses Psychotherapie des Gemeinsamen Bundesausschusses für den Ausschluss der Studien von Sachse und Kollegen aus der Bewertung sei nicht überzeugend und führe zu einer nicht sachgemäßen Einengung der Bewertungsgrundlage zur Wirksamkeit der Gesprächspsychotherapie mit entsprechenden Konsequenzen für das Bewertungsergebnis.“ (S. 25 Tragende Gründe…).

So drängt sich der Eindruck auf, dass der Umgang des G-BA mit dem Antrag der GPT auf sozialrechtliche Zulassung eher ein „Signal für den Willen“ ist, „unter keinen Umständen eine Vielfalt der Psychotherapieverfahren in Deutschland zuzulassen. Solch ein Wille müsste als ein reines Verbandsfunktionärsdenken bezeichnet werden, das sich hinter künstlich aufgebauten und unsinnigen Hürden verbarrikadiert. Mit Wissenschaftlichkeit und optimaler Versorgung der Bevölkerung hätte dieser Wille jedenfalls nichts zu tun.“ (Stellungnahme der NGfP, S. 61) Von einigen PT-VertreterInnen im G-BA, die alle VertreterInnen der zugelassenen Richtlinienverfahren, z.T. sogar VertreterInnen von Ausbildungsinstituten in selbigen sind, oder den Verbänden, denen sie angehören, ist bekannt, dass sie der Zulassung der GPT skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden. Es gibt ernsthafte Gründe für den Eindruck, dass die Ablehnung der GPT bereits vor der Prüfung beschlossen war – z.B. eine Äußerung von Köhler (KBV) im Gespräch mit dem VPP-Bundesvorstand, der sagte, dass die GPT nicht die Zulassung erhalten würde. Das war im Januar!

Jetzt ist die Stellungnahme des BMG abzuwarten. Jedoch: Wie auch immer das BMG entscheidet, ist damit ganz sicher das Kapitel Gesprächspsychotherapie und Sozialrecht nicht abgeschlossen. Der Beschluss des GBA hat so viele - auch handwerkliche Fehler - dass er so sicher spätestens vor Gericht keinen Bestand haben wird. (Eine Grundlage zu einem rechtlichen Vorgehen bildet u.a. ein Beschluss des LSG Baden-Würtemberg, welches die KV und den GBA aufgefordert hatte, geeignete Schritte zur sozialrechtlichen Anerkennung der GPT umgehend in die Wege zu leiten.) Äußerungen von Vertretern des Unterauschusses Psychotherapie des GBA deuten daraufhin, dass dieser bei seiner Entscheidung schon damit gerechnet hat. In diesem Zusammenhang stellen die Kollegen sicher auch die berechtigte Frage nach der politischen Haltung der Vertreter der Psychotherapeutenschaft besonders im Unterauschuss, denn dessen Beschluss ist ja mit deren Stimmen einstimmig gefasst worden.

Der VPP wird in Anbetracht seiner berufspolitischen Haltung für eine methodenvielfältige Psychotherapie ganz sicher mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und der solidarischen Unterstützung des gesamten BDP an der Seite derer stehen, die die GPT dennoch zum Erfolg führen wollen.

Eva Schweitzer-Köhn
Heinrich Bertram

7.12.2006

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