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Jeder fünfte Erwerbstätige psychisch krank
TK-Gesundheitsreport 2008 - Frauen doppelt so häufig betroffen - Ambulante
psychotherapeutische Versorgung verstärken
Bei mehr als einem Fünftel aller Erwerbstätigen wurde 2006 mindestens
einmal im Laufe des Jahres die Diagnose „Psychische Störung“ gestellt.
15 Prozent der männlichen und 32 Prozent der weiblichen Berufstätigen
erkrankten laut aktuellem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse im
Jahr 2006 an einer psychischen Störung. Die häufigsten Diagnosen:
Depressionen, Reaktionen auf schwere Belastungen, somatoforme Störungen.
Ausgewertet wurden Daten zu mehr als 2,6 Millionen sozialversicherungspflichtig
beschäftigten oder arbeitslos gemeldeten Mitgliedern der Techniker Krankenkasse.
Etwa 9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland
waren 2007 bei der TK versichert.
Stadtstaaten: Bei Depressionen eher Psychotherapie als Medikamente
Allein sieben Prozent aller Erwerbstätigen litten unter einer diagnostizierten
Depression. Depressionen wurden in den neuen Bundesländern durchgängig
seltener diagnostiziert als in allen alten Bundesländern und in Berlin.
In den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin erhielten trotz der verhältnismäßig
häufigen Diagnose einer Depression nur verhältnismäßig
wenige Patienten Antidepressiva. Eine Ursache - mutmaßt der TK-Report
- könnte in der breiteren Verfügbarkeit von ambulanten Psychotherapien
als Therapieoption in Ballungsräumen liegen.
Personen mit der ambulanten Diagnose einer psychischen Störung fehlten
im Jahr 2006 durchschnittlich 22,7 Tage erkrankungsbedingt am Arbeitsplatz.
Zum Vergleich: Personen ohne entsprechende Diagnose fehlten im Schnitt 7,6
Tage. Wichtig dabei: Psychische Störungen sind nicht unbedingt Ursache
vermehrter somatischer Krankschreibungen, sondern die Diagnose psychische
Störungen ist auch als Folge von schwerwiegenderen somatischen Erkrankungen
zu erwarten.
Ambulante psychotherapeutische Versorgung muss verstärkt werden
Jeder siebte Patient war aufgrund seiner psychischen Krankheit arbeitsunfähig.
Da Krankschreibungen unter den entsprechenden Diagnosen sehr lange dauern
und es den Betroffenen vor allem nach stationären Aufenthalten oftmals
schwer fällt, wieder in ihrem Alltag in Beruf und Familie Fuß zu
fassen, sprach sich Dr. Christoph Straub, stellvertretender
Vorsitzender des TK-Vorstandes, vor allem für eine verbesserte ambulante
Versorgung aus. „Wir brauchen Angebote, die direkt im Lebensumfeld
der Patienten ansetzen und ihnen ermöglichen, in ihrem gewohnten Umfeld
zu bleiben.“ heißt es in der TK-Pressemitteilung. Dazu zählt
Straub vor allem für chronisch psychisch Kranke eine sozialpsychiatrisch
ausgerichtete Versorgung im Lebensumfeld der Versicherten, ein „home
treatment“ mit ambulanten Kriseninterventionen und so genannten Rückzugsräumen
und Krisenpensionen.
VPP: Morbiditätsorientierte Bedarfsplanung überfällig
Der VPP plädiert für einen größeren Einbezug der Kompetenz
der Psychologischen Psychotherapeuten, z.B. durch leichteren Zugang zur ambulanten
psychotherapeutischen Versorgung bei notwendiger Langzeitbehandlung, durch
entsprechende Höherhonorierung bei zusätzlichen Leistungen für
schwerstgestörte Patientengruppen, Einbezug beim Fallmanagement und
stärkere Berücksichtigung in multiprofessionellen Teams und bei
Konsiliardiensten. Die sogenannte Bedarfsplanung sei nicht morbiditätsorientiert
und spiegele nicht den wirklichen Bedarf wieder, betont Eva Schweitzer-Köhn,
stellvertretende Bundesvorsitzende des VPP im BDP. Der gerade in Kraft tretenden
und vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossenen Bedarfsplanungs-Richtlinie
liegen allgemeine und nicht krankheitsbezogene Verhältniszahlen zugrunde,
festgelegt vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen. Nach dem
Sozialgesetzbuch haben die Kassenärztlichen Vereinigungen im Einvernehmen
mit den Landesverbänden der Krankenkassen für den jeweiligen KV-Bereich
Bedarfspläne zu erstellen.
Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass die Krankenkassen in punkto
einer der tatsächlichen Morbidität entsprechenden Bedarfsplanung
ihren Einfluss geltend machen.
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