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Offener Leserbrief zum Artikel der Leipziger Volkszeitung "Wir haben es satt"

Offener Leserbrief zum Artikel der Leipziger Volkszeitung "Wir haben es satt" von Angelika Raulien (Ausgabe vom 11.10.2012)

Der Allgemeinmediziner Thomas Lipp vom Hartmannbund behauptet in diesem Interview, dass es den Ärzten im Honorarstreit nicht ums liebe Geld gehe, sondern um das ungerechte Verteilungssystem. So drischt er munter auf die Psychotherapie ein, mit Behauptungen die jeglicher Grundlage entbehren. Er behauptet, dass niedergelassene Psychotherapeuten Patienten mit leichten Lebenskrisen wie Liebeskummer sozusagen umwidmen und psychotherapeutisch behandeln. Stattdessen würde doch auch ein Vater-Sohn-Gespräch genügen.

Diese Unterstellungen sind polemisch und zahlreiche Versorgungsstudien sprechen eine andere Sprache: Psychologische Psychotherapeuten behandeln im Gegenteil kranke Menschen und dies mit großem Erfolg, wie zum Beispiel die Studie der Techniker Krankenkasse jüngst bewiesen hat. Außerdem gibt es neben der Linderung des persönlichen Leids den volkswirtschaftlich bedeutsamen Vorteil, dass jeder Euro, der in die ambulante Psychotherapie investiert wird, an anderer Stelle zwei bis vier Euro einspart.

Die Tatsache, dass in der ambulanten Versorgung von Patienten mit psychischen und psychosomatischen Störungen noch ein erheblich höherer Versorgungsbedarf besteht, wird in dem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vorgelegten Zwischenbericht zum Gutachten »Zur ambulanten psychosomatischen/ psychotherapeutischen Versorgung in der kassenärztlichen Versorgung in Deutschland – Formen der Versorgung und ihre Effizienz« vom Januar 2012 festgestellt.  Ausgewertet wurden aktuelle Literatur zur Versorgung sowie Querschnittsdaten der KBV aufgrund von Abrechnungszahlen. Die Studienlage legt nahe, dass der Versorgungsbedarf nicht einmal annähernd ausreichend gedeckt ist. Wartezeiten bis zu 2,5 Monaten auf ein Erstgespräch werden festgestellt. Psychische und psychosomatische Störungen sind Volkserkrankungen, die immer häufiger auftreten bzw. diagnostiziert werden.

Die psychischen Störungen beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen, führen zu einem kontinuierlichen Anstieg der Arbeitsunfähigkeitstage, sind mit langen Ausfallzeiten verbunden, stellen die häufigste Ursache für die vorzeitige Verrentung dar und gehen mit einer vermehrten Inanspruchnahme des Gesundheitssystems einher. Die häufigsten Diagnosen betreffen depressive Störungen, Angst- und Anpassungsstörungen.

Anstatt Umwahrheiten zu verbreiten, halten wir es mit Studien wie dem KBV-Gutachten, das den Bedarf an Psychotherapie sowie die wichtige und wirksame Rolle der Psychologischen Psychotherapeuten im Gesundheitssystem belegt.

E.-M. Schweitzer-Köhn
Vorsitzende des Verbandes Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im BDP

18.10.2012

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